Bürgerinitiative Romantischer Schloßgarten
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Düstere Aussichten: Disney-Land in Heidelberg!

Der Heidelberger Schloßgarten mit seinen wunderschönen kostenfreien Wiesen...



... soll in ein eintrittspflichtiges Buxbaumgehege verwandelt werden, eine Rekonstruktion in Anlehnung an Zeichnungen von Salomon de Caus, der 1618 hier einen Garten plante und teilweise baute, bis der 30-jährige Krieg (1618-1648) alles zunichte machte...

 



Dagegen wendet sich die Bürgerintitiative Romantischer Schloßgarten, denn wir sind für die Erhaltung dieses Gartens, für eine Verbesserung der Infrastruktur aber unter Erhaltung eines Landschaftsgartens.

Erläuterung:

Nicht nur, daß es nie gelingen kann, sondern schlimmstenfalls ein buxbaumquadratischer Bewuchs zum Hortus Wessendorferi mit Eintritt uns die bislang freien Schloßwiesen raubt, sondern was für ein Stilbruch gegen das Glück, das Heidelberg dreimal hatte, nämlich aus Widrigkeiten wirklich Wunder zu gestalten, nicht Weltwunder sondern Überlebenswunder!

Zweimal hatte ein König oder Kaiser den Fluch ausgesprochen, über Heidelberg solle Gras wachsen und ein drittes Mal hatten im Anflug amerikanische Bomber dies vorgehabt (aber die sind durch glückhafte Bedingungen zum Abdrehen gezwungen worden). Die ersten beiden aber waren wie auch der jetzige Versuch, den Schloßgarten "wiederaufzubauen" größenwahnsinnige egomanische Taten, die zum Glück für Heidelberg mißlangen. Denn gerade die Ruinen und der Rasen schafften die Romantik!! (mehr im Internet dazu:
Zu Karl-Phillip: zum.de...; zu Wilhelm II: badenpage.de...; und zum US-Bomben-Befehl: Originalausdruck.)


Kurfürst Karl Phillip, der gegen die evangelische Mehrheit in Heidelberg einschreiten wollte und das nach dem 30-jährigen Krieg verbriefte Recht auf das Simultaneum abschaffen wollte (Simultaneum, ein Recht nachdem die kath. und ev. Bürger Heidelbergs gemeinsam die Heiliggeistkirche nutzen dürften) - der katholische Kurfürst Karl Phillip also verließ wutentbrannt Heidelberg, weil er es nicht nach seinem Wunsch umbauen konnte: Er sprach einen Fluch über Heidelberg aus und der Fluch (nachdem er nach Mannheim entfloh und dort seine Residenz aufbaute) lautete: "soll doch über Heidelberg Gras wachsen!" Gras und Efeu kamen tatsächlich... zu unserem Glück und mit der Bewunderung für die Ruinen die Romantik und die Touristik und: Heidelberg überlebte.

 



Und noch lächerlicher das zweite Beispiel: Kaiser Wilhem II wollte das Schloß und den Palatinus wieder aufbauen, aber wir Heidelberger sagten NEIN, geschult an dem heute noch gültigen Lehrsatz des Meisters der historischen Denkmalspflege, Prof Dehio (gestorben 1932) daß es zu erhalten gilt, nicht nachzubauen. Als Heidelberg einen "Wiederaufbau" ablehnte, war Kaiser Wilhem II so entrüstet, daß er geschworen hat, nie wieder Heidelberg in seinem Leben zu betreten und dafür die gleich große Feste Hoch-Königsburg (siehe Internetseite badenpage.de...) bei Colmar aufbauen ließ. Wer je da war, weiß wie langweilig und disneyhaft die aussieht und die 50 Besucher pro Tag bestätigen es gerne.

Wenn aber etwas Heidelberg ausmacht, ist es diese Zeile des Gedichtes von Hölderlin: "Efeu..., grüne Wälder, das Schloß im Abend-Sonnenglanz..." Wir waren nie ein Versailles, denn der Hortus wurde nie vollendet.

 

Wir können aber auch nie das wiederaufbauen, was den Hortus ausmachten, die vielen Wandelgänge und Grotten, die sich drehenden Putten, die allein vom Bergwasser angetriebenen Wunderwerke Salomon de Caus, denn die Regenmengen des 16/17. Jahrhundert haben wir heute nicht mehr.

Was wir aber genießen, ist so schön wie in London der Hydepark, einen englischen Garten, wo fast wie zufällig große Wiesen und Baumriesen sich schattengebend ergänzen und abends bei flach einstrahlender Sonne wunderbar im satten Rotgrün glänzen und sich einladend (völlig kostenfrei) für alle Heidelberger und Fremde und Liebhaber anbieten.

 

Hölderlin:

Aber schwer in das Tal hing die gigantische,
Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund,
Von den Wettern zerrissen;
Doch die ewige Sonne goß

Ihr verjüngendes Licht über das alternde
Riesenbild, und umher grünte lebendiger
Efeu; freundliche Wälder
Rauschten über die Burg herab.

Der Eintrittspreis hält mich nicht ab, was sind schon die paar Euro oder 15 Euro pro Jahr für Heidelberger, aber was mich abschreckt ist die Verunstaltung von Heidelberg als Disneyland.

DAS DARF NIE PASSIEREN.

Wer Disney will soll nach Paris oder L.A. gehen oder nach Neuschwanstein, da hat er wenigstens kein Dehio-Problem, denn so fand der Zeitgeist König Ludwig es gut.

Aber gerade, daß wir hier sehen, wie es der jeweilige Zeitgeist gut fand, das macht die hohe Qualität des Heidelberger Schlosses aus, denn hier ist nichts nachgebaut und wer sehen will wie die Romantik entstand, der muß die Bilder vom Schloßgarten die in der Universitätsbibliothek zur Zeit ausgestellt werden anschauen, ja! -die sehen so aus wie heute.

Ich werde deswegen in jeder Weise gegen eine solche Verunstaltung meiner gewählten Heimatstadt kämpfen.

Dr. D. Jung, Gästeführer, Wahlheidelberger und Altstadtarzt.

Und hier ein paar Bilder wie Maler und Überzeichner das Schloß sehen, aber bitte.... laßt uns den Garten, kämpft alle für eine Erhaltung des Schloßgartens!







Hier die gesamten Zeilen von Hölderlin auf die Heidelberg bislang so stolz war, sollten wir das etwa streichen?

Heidelberg

Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,
Mutter nennen und dir schenken ein kunstlos Lied,
Du, der Vaterlandsstädte
Ländlichschönste, so viel ich sah.
Wie der Vogel des Waldes über die Gipfel fliegt,
Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
Leicht und kräftig die Brücke,
Die von Wagen und Menschen tönt.

Wie von Göttern gesandt, fesselt' ein Zauber einst
Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging
Und herein in die Berge
Mir die reizende Ferne schien

Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebne zog,
Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön,
Liebend unterzugehen,
In die Fluten der Zeit sich wirft.

Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen
Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn
All' ihm nach, und es bebte
Aus den Wellen ihr lieblich Bild.

Aber schwer in das Tal hing die gigantische,
Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund,
Von den Wettern zerrissen;
Doch die ewige Sonne goß

Ihr verjüngendes Licht über das alternde
Riesenbild, und umher grünte lebendiger
Efeu; freundliche Wälder
Rauschten über die Burg herab.

Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal,
an den Hügel gelehnt oder dem Ufer hold,
Deine fröhlichen Gassen
Unter duftenden Gärten ruhn.

Friedrich Hölderlin