Bürgerinitiative Romantischer Schloßgarten
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Prof. Dr. Peter Anselm Riedl
Ordinarius em. für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg

Zum Thema Schlossgarten

Über die Frage einer eventuellen Rekonstruktion des Heidelberger Schlossgartens wurde in den letzten Wochen viel gesagt und geschrieben. Auch auf die Gefahr hin, Vorgetragenes zu wiederholen, möchte ich hier einige Argumente herausstellen. Weiter untersucht werden muss nicht nur, was vom "Hortus Palatinus" des Salomon de Caus überhaupt existiert hat, sondern auch, wie der Schlossgarten zu seiner heutigen Gestalt gekommen hat. Was den ersten Punkt angeht, haben die Sondierungen, die mein Kollege Prof. Matthias Untermann durchführt, bereits Aufschlüsse erbracht, die bekräftigen, wie sehr die überlieferten Darstellungen einen Idealzustand verbildlichen. Was den zweiten Punkt betrifft, wird von Frau Sigrid Gensichen zur Zeit das umfangreiche Archivmaterial zur Gartengeschichte kritisch gesichtet. Es zeigt sich, dass diese Geschichte viel komplizierter ist als bisher bekannt, weil die unterschiedlichen Nutzungen mehrfach eingreifende Änderungen im Wege- und Bepflanzungssystem zur Folge hatten. Einen historischen Zustand des Schlossgartens, der sich verlässlich rekonstruieren ließe, gibt es jedenfalls nicht, nur Fragmente von Zuständen, die freilich auch bestimmte Maßnahmen in denkmalpflegerischem Sinne rechtfertigen oder sogar nahelegen könnten. Es sei daran erinnert, dass es bereits um 1980 eine Schlossgarten-Initiative gab. Ihr sind beispielsweise die Freilegung der Grotte nebst unmittelbarer Umgebung und die Rekonstruktion der Vater-Rhein-Figur in Epoxydharz zu danken. Die Resultate wirken - und ich sage das als Mitglied der seinerzeit in die Planung eingeschalteten Kommission! - eigentümlich steril. Dass der Baumbestand des oberen Terrassenbereichs zu respektieren war und dass die Anlegung von historisierenden Gartenbeeten lediglich Hinweischarakter haben konnte, war seinerzeit übrigens in keinem Augenblick strittig.

Man muss sich im Klaren sein, dass Interventionen im Schlossgarten nur insoweit etwas mit Denkmalpflege zu tun haben können, als sie Vorhandenes - das heißt auch unter der Erde Vorhandenes - sinnvoll zur Geltung bringen. Der "Hortus Palatinus" war ein Garten, der gestalterisch die berühmten Anlagen des italienischen Manierismus, wie den Giardino Boboli in Florenz oder den Garten der mediceischen Villa Pratolino in der Nähe von Florenz, zum Vorbild hatte. Eine zu solchen Gärten unabdingbar gehörende reiche Ausstattung mit Pavillons, Skulpturen, Wasserkünsten und gärtnerischen Zierarchitekturen war in Heidelberg geplant und zum Teil auch realisiert. Die materiellen Spuren sind aber zu dürftig, um wissenschaftlich tragfähige Rekon­struktionen zu erlauben. Meiner Meinung nach muss jeder Versuch einer Neuformulierung in Hypothetisches - wenn nicht in Kitsch - münden.

Nun soll dies keine Polemik gegen ein Vorhaben sein, das, richtig ausgelegt, sehr wohl dem Schlossgarten zugute kommen könnte. Zum einen ließe sich die Besucherfreundlichkeit in mancher Hinsicht verbessern. Und es ließe sich die ursprüngliche Struktur an einigen Stellen so ans Licht bringen, dass die Vorstellungskraft der Betrachterinnen und Betrachter daran anknüpfen könnte. Geometrisierende Bepflanzung sollte sich auf kleine Lehrbereiche beschränken. Denn es war ja nicht der Hortus Palatinus in all seiner kunstvollen Regelhaftigkeit, der das Heidelbergbild seit der Romantik weltweit geprägt hat, sondern das von der Natur auf großartige Weise überformte Ruinenensemble von Schloss und Schlossgarten. Nicht zufällig hat sich gerade am Beispiel Heidelberg vor mehr als einhundert Jahren jene denkwürdige Umbesinnung ergeben, die seither denkmalpflegerisches Denken und Handeln bestimmt: Nicht mehr die gängige historistischen Praxis des Rekonstruierens sollte fortan gelten, vielmehr das Prinzip des Erhaltens.

Peter Anselm Riedl